Warum Offshore-Windstrom jetzt günstiger wird

Windrad eines Offshore-Windparks
Foto © Erich Westendarp /pixelio.de

Für die Windstrom-Branche war es ein Schock: Mit einem Gebot von 49,90 Euro pro Megawattstunde hat der Energiekonzern Vattenfall im November 2016 die Ausschreibung für den dänischen Anteil des Windparks „Kriegers Flak“ für sich gewonnen. Noch nie wurde ein derart niedriger Preis für Offshore-Windstrom veranschlagt. Einiges spricht dafür, dass Windenergie in den kommenden Jahren günstiger wird.

Windstrom: Günstig, günstiger, Dumping-Preise?

„Kriegers Flak“ gilt als Vorzeigeprojekt: Der momentan in Ausbau befindliche Offshore-Windpark in der Ostsee wird künftig neben deutschen auch schwedische und dänische Stromkunden mit Ökostrom beliefern. Für den dänischen Anteil, der eine Gesamtleistung von immerhin 600 Megawatt haben soll, lief die Ausschreibung bereits im vergangenen Jahr. Bei der Auktion war ursprünglich eine Höchstgrenze von 120 Euro pro Megawattstunde veranschlagt – der schwedische Energiekonzern Vattenfall bot 49,90 Euro. Die Netzanbindung, die mit etwa 20 Euro pro Megawattstunde zu Buche schlägt, ist dabei allerdings noch nicht mit eingerechnet. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Einspeisevergütung für Windstrom aus Offshore-Windparks derzeit durchschnittlich 110 Euro pro.Kaum verwunderlich, dass in der Branche heftig spekuliert wurde: Dumping-Preis oder scharf kalkuliertes Angebot? argumentiert mit der zu erwartenden technologischen Entwicklung, die immer leistungsfähigere und damit effizientere Windkraftanlagen hervorbringen soll.

Die Windenergie-Branche entwächst den Kinderschuhen

Günstiger soll Windstrom unter anderem deshalb werden, weil bei den Turbinen noch reichlich Luft nach oben ist: Noch 2009 galten Windturbinen mit einer Nennleistung von 5 Megawatt als bahnbrechend. Mittlerweile sind Anlagen mit einer Leistung von 7 bis 8 Megawatt Standard. Laut Branchenführer Siemens sollen in den nächsten Jahren Windräder mit 10 Megawatt Leistung auf den Markt kommen. Diese voraussichtliche Entwicklung wurde bei dem Angebot für Kriegers Flak bereits mit eingerechnet, so ein Sprecher des Konzerns Vattenfall.Doch nicht nur bei den Anlagen selbst besteht Einsparungspotential. Die Windenergie-Branche macht derzeit einen umfassenden Rationalisierungsprozess durch. Ein Beispiel dafür ist das neue Werk des Konzerns Siemens in Cuxhaven, wo die nächste Generation von Windrädern in industrieller Serienfertigung gebaut werden soll. In direkter Hafennähe gelegen, können die schweren Maschinenhäuser der Windkraftanlagen anschließend ohne Kräne an Bord der Montageschiffe gerollt werden. Das spart Zeit und Kosten. Nebenbei entstehen in Cuxhaven 1000 neue Jobs.

Smarte Netzanbindungs-Lösungen für Windstrom

Damit die bei der Produktion von Windstrom erzielten Einsparungen auch an der Strombörse und beim Stromkunden ankommen, muss nicht zuletzt der Netzausbau vorangetrieben werden. Derzeit haben Netzbetreiber Schwierigkeiten, die steigenden Strommengen aus den Windparks der Ost- und Nordsee in das Stromnetz zu integrieren. Doch neue, länderübergreifende Fernleitungen sollen die Netze entlasten und darüber hinaus für einen besseren Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage sorgen. Voraussichtlich ab 2019 soll die Fernleitung Nordlink eine direkte Verbindung zwischen deutschen Windparks und norwegischen Wasserkraftwerken schaffen. Überschüssiger Windstrom kann dann in norwegischen Wasserreservoirs gespeichert werden, was die lokalen Stromnetze entlastet.

Günstiger Ökostrom für eine raschere Energiewende?

Aufgrund der relativ gleichbleibenden Windbedingungen auf See gewährleisten Offshore-Windparks eine konstantere Energieversorgung als andere erneuerbare Energieformen. Sie gelten daher als wesentlicher Eckpfeiler einer nachhaltigen Stromversorgung. Ende 2016 waren in der deutschen Nord- und Ostsee knapp 950 Windkraft-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 4100 Megawatt in Betrieb. Bis 2030 hat sich die Bundesregierung ein ehrgeiziges Ausbauziel gesetzt: Auf 15.000 Megawatt soll die installierte Leistung der Windparks auf hoher See bis dahin anwachsen. Sollte Windstrom aufgrund der Professionalisierung der Branche tatsächlich spürbar günstiger werden, so stehen die Chancen gut, dieses Ziel zu erreichen – wenn nicht gar zu übertreffen.

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