Steckdose für Elektroautos bei Neubauten bald EU-Standard?

Innenansicht Elektroauto

Innenansicht Elektroauto
Foto © Achim von Michel /pixelio.de

Es gibt mehrere Gründe, warum sich die Nachfrage nach Elektroautos bislang in Grenzen hält. Einer davon ist die spärliche Ladeinfrastruktur. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel plant die EU-Kommission hier eine Offensive: Bei Neubauten soll eine Steckdose für Elektroautos künftig verpflichtend integriert werden.

Neuer Anlauf zur Steigerung der E-Mobilität

Sie hätte Bewegung in den Markt bringen sollen: Seit Juli 2016 winkt Käufern von Elektroautos eine Prämie von 4.000 Euro, für Hybridfahrzeuge gibt es einen sogenannten „Umweltbonus“ von 3.000 Euro. Beantragt wurde die Prämie innerhalb der ersten 3 Monate allerdings nur etwa 4.500 Mal, davon 2.650 Mal für rein elektrisch betriebene Fahrzeuge. Von einem durchschlagenden Erfolg kann also keine Rede sein.

In einem Entwurf zur Änderung des EU-Energieeffizienzpakets denkt die EU-Kommission weitere Schritte an. Durch den verpflichtenden Einbau einer Steckdose für Elektroautos bei Neubauten soll zumindest das Infrastruktur-Problem gelöst werden. Betroffen wären diesem Entwurf zufolge nicht nur Neubauten, sondern auch Sanierungsobjekte. Für kleine Gebäude wie Einfamilienhäuser ist dabei eine Vorverkabelung für eine Steckdose vorgesehen. Bei größeren Gebäuden, die mehrere Parkplätze besitzen, soll zumindest einer von zehn Parkplätzen eine fixe Lademöglichkeit für Elektroautos bieten.

Umstrittene Fördermaßnahme

Es handelt sich derzeit nur um einen Entwurf. Sollte dieser tatsächlich in Kraft treten, so wird die Steckdose für Elektroautos bei Neubauten frühestens im Jahr 2023 verpflichtend. Doch wie sinnvoll ist diese Maßnahme? Vertreter der Immobilienwirtschaft sind jedenfalls skeptisch: Die EU-Kommission würde mit der verpflichtenden Steckdose eine Technologie pushen, noch bevor dafür ein Markt besteht, so Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbandes Haus und Grund.

Dass Bauherren mit einer zusätzlichen Kostenbelastung rechnen müssen, ist nicht von der Hand zu weisen. Bis zu 75.000 Euro veranschlagen die Experten der EU-Kommission etwa für den Aufbau einer Ladestation auf Parkplätzen.

Marktentwicklung von verschiedenen Faktoren abhängig

Ist die entsprechende Infrastruktur in Form einer Steckdose ohnehin vorhanden, so könnte es für Hausbesitzer auch attraktiver werden, sich ein Elektroauto zuzulegen – so die Logik des Entwurfs der EU-Kommission. Doch vermutlich sind es mehrere Faktoren, die einen echten Durchbruch der E-Mobilität bisher verhindert haben: So sind Elektroautos trotz Prämie nach wie vor teurer als die entsprechenden Modelle mit konventionellem Antrieb. Und auch die Reichweite ist für manche Autokäufer noch ein Grund, von Elektroautos Abstand zu nehmen. Gerade hier konnten die Autobauer zuletzt jedoch große Erfolge verbuchen. Die brandneuen Modelle führender Hersteller sollen bereits 500 bis 600 km mit einer Akkuladung zurücklegen.

Die verpflichtende Steckdose bei Neubauten ist somit nur einer von mehreren Faktoren, der die E-Mobilität auf unseren Straßen in Fahrt bringen könnte – falls der Entwurf denn auch wirklich umgesetzt wird. Nicht zuletzt wird auch die Preisentwicklung bei den konventionellen Kraftstoffen über die Attraktivität von Elektroautos entscheiden.

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