Leuchtende Pflanzen als Lampenersatz: Ein neuer Weg zum Stromsparen?

Ein Candle-Light-Dinner mit dem oder der Liebsten und statt Teelichtern sorgen leuchtende Pflanzen für sanftes Licht: Geht es nach den Initiatoren des „Glowing Plant“-Projektes, könnte diese romantische Vision bald Wirklichkeit werden. Verrückte Idee oder ein innovativer Weg, um künftig wertvollen Strom zu sparen? Noch ist die Leuchtkraft der Pflanzen schwach, das Projekt findet in der Öffentlichkeit jedoch großen Anklang.

Glühwürmchen- und Bakterien-Gene lassen Pflanzen leuchten

Die Idee ist keineswegs neu. Schon in den 1980er-Jahren haben Wissenschaftler erstmals leuchtende Pflanzen entwickelt, indem sie ein Glühwürmchen-Gen in das Erbgut von Tabakpflanzen einschleusten. Für einen vorübergehenden, schwachen Glüheffekt musste die Pflanze jedoch mit einer Chemikalie besprüht werden. Erst vor wenigen Jahren ist es einem weiteren Forscherteam gelungen, Tabakpflanzen mit einem Gen bestimmter mariner Leucht-Bakterien auszustatten. Die auf diese Weise genetisch veränderten Pflanzen senden ganz ohne Chemikalien Licht aus, sind jedoch so sensibel, dass sie nur unter streng kontrollierten Bedingungen überleben.

Leuchtende Pflanzen sollen Energiehunger bremsen

Die Initiatoren des „Glowing Plant“-Projektes, ein Team von US-Wissenschaftlern, haben eine ehrgeizige Vision: Langfristig soll unsere elektrisch erzeugte Beleuchtung durch natürlich leuchtende Pflanzen ersetzt werden. Immerhin ist die Erzeugung von Licht für knapp zehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich. Angesichts des Klimawandels und der nach wie vor steigenden Weltbevölkerung könnten Pflanzen als alternative Lichtquellen eine innovative Möglichkeit darstellen, um unseren Energieverbrauch zu zähmen. Bis dorthin gibt es jedoch noch zahlreiche Hürden zu meistern. Noch reicht die Leuchtkraft der Pflanzen kaum aus, um sie als Leselampe zu nutzen – von Raum- oder Straßenbeleuchtungen ganz zu schweigen. Kritiker sorgen sich auch um die Risiken, die von der unkontrollierten Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen ausgehen könnten.

Leuchtende Pflanzen: Die Büchse der Pandora?

Darf man gentechnisch veränderte Organismen einfach so in die Umwelt entlassen? Denn genau das hatten die Initiatoren des „Glowing Plant“-Projekts ursprünglich geplant. In einer öffentlichkeitswirksamen Fundraising-Kampagne versprachen sie, Spender für ihre finanzielle Unterstützung mit den Samen leuchtender Arabidopsis-Pflanzen zu belohnen – sollte das Projekt erfolgreich sein. Manche Ökologen halten das für gefährlich, und in Kanada hat sich bereits eine Gruppe von Gentechnik-Gegnern formiert, die mit einer Kampagne gegen die Verbreitung der gentechnisch veränderten Leucht-Pflanzen ankämpft. Die Initiatoren von „Glowing Plant“ versuchen ihren Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Man arbeite an Pflanzen, die auf zusätzliche Nährstoffzufuhr angewiesen seien und daher in freier Natur nicht überleben würden, so Organisator Antony Evans.

Leuchtkraft ist beschränkt

Leuchtende Pflanzen als Lampenersatz sind also nicht unumstritten, und es bleibt offen, ob die Argumente von Gentechnik-Gegnern zu entkräften sind – gerade in Europa, wo in der Öffentlichkeit traditionell große Bedenken gegen gentechnologische Anwendungen vorherrschen. Abgesehen davon dürfte das Potential dieser Pflanzen gewissen natürlichen Beschränkungen unterliegen. Denn für die Erzeugung von Licht muss die Pflanze – ebenso wie wir, wenn wir technische Leuchtmittel einsetzen – Energie aufwenden. Diese Energie kann sie nur aus dem natürlichen Sonnenlicht gewinnen. Nur jenen Anteil, den die Pflanze nicht für ihre eigenen Lebens- und Wachstumsprozesse braucht, kann sie anschließend in Form von Licht abstrahlen. Ob leuchtende Pflanzen also jemals als kommerzielle Leuchtmittel taugen werden, bleibt abzuwarten.

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