Kälte treibt Strompreis auf Rekordhoch – weiter Diskussion um Kapazitätsmärkte

Anstieg der Strompreise
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Dieser Winter bricht alle Rekorde. In weiten Teilen Europas sanken die Temperaturen im Januar dramatisch unter den langjährigen Durchschnitt. Der Strompreis an den Strombörsen ist dagegen auf ein Spitzenniveau geklettert: Eine Megawattstunde kostete in den Marktgebieten Österreich und Deutschland zeitweise über 200 Euro – so viel wie schon seit fünf Jahren nicht mehr.

Vermindertes Angebot, erhöhte Nachfrage

Die aktuelle Preisentwicklung folgt dem Marktprinzip von Angebot und Nachfrage. Verantwortlich für den erhöhten Stromverbrauch ist in erster Linie die Kältewelle. Zugleich sorgt die Witterung für ein verringertes Angebot: Sonnenstunden sind rar und auch der Wind war im Januar schwach, dadurch liefern Solar- und Windkraftwerke deutlich weniger Strom als sonst. Hinzu kommt, dass in Frankreich zuletzt mehrere Atomkraftwerke vom Netz genommen wurden – aus Sicherheitsgründen.

Alle diese Faktoren treiben den Strompreis derzeit auf ein Rekordniveau: Seit 16. Januar 2017 wurden an der Strombörse Epex über längere Zeiträume hinweg Preise von mehr als 100 Euro pro Megawattstunde registriert, sogar die Schwelle von 200 Euro wurde in einzelnen Stunden überschritten. Diesen Spitzenwert hat man zuletzt am 8. Februar 2012, also vor fünf Jahren, beobachtet.

Rekordpreise widersprechen langjährigem Trend

Dabei ist ein derart hoher Strompreis die Ausnahme, nicht die Regel: Seit Strom aus Wind-, Solarenergie, Wasserkraft und Biogasanlagen vermehrt auf die Strommärkte drängt, sind die Preise an den Strombörsen im Schnitt gesunken, vielfach sogar auf ein negatives Niveau. Das bedeutet, dass die Erzeuger ihren Strom nicht verkaufen, sondern für seine Abnahme bezahlen. Eine detaillierte Auswertung der Stundenpreis-Entwicklung an der Strombörse Epex hat ergeben, dass Stunden mit Negativpreisen zwischen 1. Januar 2011 und 25. Januar 2017 häufiger waren als Stunden mit einem Strompreis von über 100 Euro. Die Negativpreise erreichten mitunter ein drastisches Niveau, so wurde am 24. Dezember 2012 ein Minuswert von rund 200 Euro verzeichnet.

Energiewende und Versorgungssicherheit: Brauchen wir Kapazitätsmärkte?

Für den Preistrend an den Strombörsen sind nicht zuletzt die erneuerbaren Energieformen verantwortlich. Solange die Sonne scheint und der Wind weht, kostet der Betrieb von Solar- und Windkraftwerken vergleichsweise wenig, Gas und Kohle hingegen haben ihren Preis. Aus diesem Grund ist konventionell generierter Strom an den Börsen einem zunehmenden Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Doch wir brauchen Gas- und Kohlekraftwerke derzeit noch, um die schwankenden Erträge erneuerbarer Energien abzupuffern und so Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Als Ausgleich für die Bereithaltung von Stromreserven pochen Energiekonzerne auf Kapazitätszahlungen, das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) spricht sich dagegen für eine freie Marktpolitik aus: Das Anzeigen von Knappheit sei eine wesentliche Aufgabe von Strommärkten, so eine Sprecherin des BMWi.

Reform der Strommärkte steht zur Debatte

Sind Preisspitzen, wie wir sie aktuell beobachten, Anreiz genug, damit Versorger ausreichend Backup-Kapazitäten bereithalten? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Franz Untersteller von den Grünen kritisiert die Strommarktstrategie des BMWi, gerade der bevorstehende Ausstieg aus der Kernenergie mache die Einführung eines begleitenden Kapazitätsmarktes erforderlich. Auch die Europäische Kommission hat zuletzt Empfehlungen für regionale Kapazitätsmärkte abgegeben. Wie wir unsere Strommärkte in Zukunft gestalten, um sowohl eine leistbare als auch sichere Energieversorgung zu gewährleisten – diese Frage bleibt weiterhin spannend.

Klicken Sie hier für weiterführende Informationen:

Studie: Die größten Stromverbraucher Deutschlands

Energiespartipps

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