Ausbau der Stromnetze: Gut vernetzt in das post-fossile Zeitalter

Ausbau der Stromnetze in Europa

Ausbau der Stromnetze in Europa
© Uwe Schlick / pixelio.de

Der Ausbau erneuerbarer Energieformen schreitet in Deutschland mit Riesenschritten voran. Was mancherorts hinterher hinkt, ist der Ausbau der Stromnetze: Nicht immer sind die vorhandenen Leitungssysteme mit den neuen Erzeugungsstrukturen kompatibel. Besondere Herausforderungen bringt darüber hinaus die Zunahme des EU-weiten Stromhandels mit sich. Um auch in Zukunft eine zuverlässige, kostengünstige und umweltfreundliche Stromversorgung sicherzustellen, ist langfristig ein Ausbau unserer Stromnetze nötig.

Welche Herausforderungen auf unser Stromnetz zukommen

Derzeit vollziehen sich am Strommarkt tiefgreifende Änderungen, die zugleich Auswirkungen auf die Netzinfrastruktur haben:

  • Der Ausbau erneuerbarer Energieformen führt zu Fluktuationen bei der Stromerzeugung – und damit zu schwankenden Einspeiseleistungen.
  • Immer mehr dezentrale Anlagen gehen in Betrieb, etwa in Form von Photovoltaikanlagen oder kleineren Windparks. Verbraucher können mithilfe solcher Anlagen zugleich zu Produzenten werden und damit Strom ins Netz einspeisen.
  • Der Strom kann nicht immer verbrauchsnah erzeugt werden. Während sich etwa im hohen Norden immer mehr Windräder drehen, ist der Westen und Süden Deutschlands vom Atomausstieg besonders betroffen – und gerade hier sind zahlreiche Industriebetriebe beheimatet.

Das derzeit vorhandene Stromnetz ist für Rückspeisungen von Strom in die Übertragungsnetze nur bedingt ausgelegt. Darüber hinaus mangelt es an leistungsstarken Nord-Süd-Verbindungen.

Wer ist eigentlich für den Ausbau der Stromnetze verantwortlich?

Rechtliche Grundlage für die Modernisierung der Netzinfrastruktur ist das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Dieses Gesetz nimmt sowohl die Netzbetreiber als auch den Gesetzgeber in die Verantwortung. Der Weg zu einem zukunftstauglichen Stromnetz verläuft in fünf Schritten:

  1. Zunächst erstellen die Übertragungsnetzbetreiber jährlich einen sogenannten Szenariorahmen, welcher der Bundesnetzagentur vorgelegt wird.
  2. Auf der Basis dieses Szenariorahmens erarbeiten die Netzbetreiber anschließend einen Netzentwicklungsplan. Dieser hält den Ausbaubedarf für die nächsten 10 bis 15 Jahre detailliert fest.
  3. Der Netzentwicklungsplan stellt zugleich einen ersten Entwurf für einen verbindlichen Bundesbedarfsplan dar. Bevor die Bundesregierung diesen Bundesbedarfsplan erlässt, ist eine strategische Umweltprüfung durch die Bundesnetzagentur vorgesehen.
  4. In einem nächsten Schritt schlagen die Netzbetreiber Trassenkorridore für die benötigten Hochspannungsleitungen oder Erdkabel vor. Die Bundesnetzagentur untersucht diese Korridorverläufe im Rahmen der sogenannten Bundesfachplanung.
  5. Am Ende steht ein Planfeststellungsbeschluss, in dem die neuen Leitungsverläufe konkret festgelegt werden.

Umweltauswirkungen begrenzen

Um eine ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten, ist der Ausbau der Stromnetze unumgänglich. Zugleich haben Hochspannungsleitungen und Erdkabel jedoch erhebliche Umweltauswirkungen: Sie zerschneiden die Lebensräume von Wildtieren, gefährden Zugvögel oder führen zu Bodenveränderungen in sensiblen Feuchtgebieten. Ein nur schwer lösbares Dilemma? Umweltverträglichkeitsprüfungen sind auf mehreren Stufen des Planungsverfahrens vorgesehen. Häufig können ökologische Auswirkungen durch begleitende Maßnahmen wie Vogelschutzmarker oder durch die Bündelung mit weiteren Infrastrukturelementen zumindest gemildert werden.

Europäisches Stromnetzwerk – wenn Leitungen nationale Grenzen überschreiten

Deutschland wird zunehmend zur Drehscheibe des internationalen Stromhandels. Der grenzüberschreitende Handel mit Strom erfordert es, mit unseren Nachbarn an einem Strang zu ziehen – die Koordination auf europäischer Ebene zählt daher zu den großen energiepolitischen Herausforderungen. Ein gut ausgebautes europäisches Stromnetzwerk könnte beispielsweise fluktuierende Stromquellen zu überregionalen Versorgungssystemen zusammenschalten – und damit die Versorgungssicherheit weiter erhöhen. Mit einer EU-weiten Konsultation hat die Europäische Kommission kürzlich einen ersten Vorstoß unternommen, um geplante Bauvorhaben künftig besser zu koordinieren.

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