Aktuelle Entwicklungen im Strommarkt: Der Fakten-Check

Aktuelle Entwicklungen im Strommarkt

Aktuelle Entwicklungen im Strommarkt
Christian Beuschel / pixelio.de

Der Strommarkt steht in Deutschland vor gewaltigen Herausforderungen: Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Ausstieg aus der Atomkraft hat die Bundesregierung ambitionierte umweltpolitische Ziele fixiert. Zugleich soll die Stromversorgung möglichst sicher, effizient, verbraucherfreundlich und preisgünstig sein – so zumindest schreibt es das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vor. Realistische Zielvorgaben oder eine Quadratur des Kreises? Der folgende Artikel beleuchtet aktuelle Entwicklungen im Strommarkt anhand ausgewählter Daten und Fakten.

Stromerzeugung: Erneuerbare im Aufwind, Kohleanteil weiterhin hoch

Insgesamt wurden in deutschen Kraftwerken im Jahr 2015 unvorstellbare 646 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt – und ein nicht geringer Anteil davon stammt aus „grünen“ Quellen. Fasst man alle erneuerbaren Energieformen wie Windkraft, Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse zusammen, so nehmen diese im Strommix den ersten Rang ein: Mit einem Anteil von 29 Prozent liegen sie noch vor der Braunkohle, die auf 24 Prozent kommt. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 stammten noch 25,5 Prozent der Stromproduktion aus Braunkohle-Kraftwerken, während die Erneuerbaren einen Anteil von 22,8 Prozent erreichten. Rechnet man freilich zur Braunkohle noch die Steinkohle hinzu, so dominiert auch im Jahr 2015 mit 42,3 Prozent der Kohleanteil im Strommix. Wir befinden uns aktuell also in einer Umbruchphase: Während der Anteil fossiler Energieformen in Deutschland historisch bedingt hoch ist, zeigt der staatlich geförderte Ausbau erneuerbarer Energien unverkennbare Wirkungen.

Versorgungssicherheit bisher nicht in Gefahr

Dass die aktuellen Entwicklungen im Strommarkt die Versorgungssicherheit gefährden könnten, war in den Medien und der Öffentlichkeit ein vieldiskutiertes Thema. Schließlich weisen Wind- und Solarkraftwerke mitunter hohe Leistungsschwankungen auf, die – so die Befürchtungen – zu Engpässen und Ausfällen führen könnten. Laut Bundesnetzagentur gibt es zurzeit keine Anzeichen dafür: Im Jahr 2014 fiel die Stromversorgung in deutschen Haushalten im Schnitt für 12 Minuten und 17 Sekunden aus. Zum Vergleich: Französische Haushalte waren im Jahr 2011 durchschnittlich 63 Minuten ohne Strom, in Portugal beliefen sich die Ausfälle sogar auf 173 Minuten.

Strommarkt in Deutschland zunehmend international vernetzt

Mit der Versorgungssicherheit des deutschen Strommarkts befasst sich aktuell ein vom Wirtschaftsministerium beauftragtes Gutachten der Beratungsunternehmen Consentec und R2B Energy Consulting. Eine wesentliche Schlussfolgerung der Experten: Das Thema Versorgungssicherheit sollte im Kontext internationaler Entwicklungen im Strommarkt betrachtet werden. Denn Deutschland exportiert und importiert immer mehr Strom aus seinen Nachbarländern. Dadurch kommt es zu großräumigen Ausgleichseffekten: Beispielsweise exportiert das windreiche Dänemark seine temporären Überschüsse nach Deutschland. Im Gegenzug importiert es deutschen Strom aus Solarenergie, wenn die Windräder einmal stillstehen. Der grenzüberschreitende Handel mit Strom stellt somit einen stabilisierenden Faktor am Strommarkt dar.

Hohe Exportüberschüsse

Seine zentrale geografische Lage hat Deutschland zu einer wichtigen Drehscheibe des internationalen Stromhandels gemacht. Im Jahr 2015 wurde dabei ein Exportüberschuss erzielt: Während sich die Importe auf 33,5 Milliarden kWh beliefen, hat Deutschland 85,2 Milliarden kWh Strom in seine Nachbarländer exportiert. Innerhalb Europas weist Deutschland mit einer Netto-Nennleistung von ca. 204,5 Gigawatt übrigens die höchste installierte Kraftwerksleistung auf.

Alle diese Zahlen legen nahe, dass der Strommarkt in Deutschland auf sicheren Fundamenten steht – eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende.

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