Die Zukunft von Neuseelands rosiger Ökobilanz – Ist sie in Gefahr?

Windkraftanlagen auf einem Feld

Windpark auf einem Feld
Foto © Maren Beßler /pixelio.de

Während Deutschland noch über die Energiewende streitet, ist man sich in Neuseeland bereits einig: Dort stammt 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Der konservative Premierminister John Key plant, diesen Anteil bis zum Jahr 2025 auf 90 Prozent zu steigern. Im Vergleich dazu schneidet Europa eher schlecht ab: Hier liegen die Anteile an regenerativen Energien größtenteils zwischen fünf und 20 Prozent.

Auf die Frage, wie Neuseeland das geschafft hat, sagte Brian White, Geschäftsführer der New Zealand Geothermal Association (NZGA): „Die Natur hat es gut mit uns gemeint.“ Neuseelands Stromversorgung basiert auf drei Quellen: Wasserkraft, Windenergie und Geothermie. Die geografischen Gegebenheiten sorgen dafür, dass sich alle Arten der Energiegewinnung lohnen. Doch es ist nicht nur die Natur, die eine hohe Ökostrom-Produktion ermöglicht. Da Neuseeland keinen Strom aus Nachbarländern importieren kann, musste das Land seinen Energiebedarf schon immer aus eigener Kraft decken.

Um kritische Versorgungsengpässe zu vermeiden, hat Neuseeland früh damit angefangen, in nationale Energiequellen zu investieren. Bereits vor 100 Jahren entstanden dort – wie auch in Deutschland – die ersten Wasserkraftwerke. Seitdem hat Neuseeland die erneuerbaren Energiequellen kontinuierlich erweitert und vergleichsweise wenig Kohle verbraucht. Die Frage des Netzausbaus hat die Einwohner bereits vor 50 Jahren beschäftigt: 1965 verband Neuseeland die Nord- und Südinsel mit einem Kabel am Meeresboden und erstellte dadurch ein Stromversorgungsnetz, das zu damaligen Zeiten einmalig war.

Im Südpazifik entstanden durch die Ölkrise von 1973 Probleme bei der Energieversorgung. Doch Neuseeland hat weiter gekämpft: Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, baute das Land unter anderem die Wasserkraft weiter aus. Ein zusätzlicher Meilenstein in der Ökobilanz des Landes waren die Atombombentests, die in der Südsee stattfanden: Von diesem Zeitpunkt an wandte sich Neuseeland von der Kernenergie ab und unterzeichnete Mitte der 90er Jahre das Kyoto-Protokoll. Heute bezieht Neuseeland seinen Strom vor allem aus Biomasse und Sonnenenergie; Kohle wird zunehmend durch Gas ersetzt.

Während Geothermie-Anlagen, Wasserkraftwerke und Windräder anfangs Staatsbetriebe waren, werden sie nun teilweise privatisiert. Wolfgang Scholz, Leiter der Heavy Engineering Research Association (HERA), sagte: „Diese Unternehmen waren niemals auf Subventionen angewiesen. Da sie von Anfang an profitabel sein mussten, unterscheiden sie sich in wesentlicher Hinsicht vom deutschen Energiesektor.“ Probleme, die beim Netzausbau und der Speicherung von erneuerbaren Energien entstanden sind, habe das Land mit intensiven Forschungsarbeiten lösen können.

Aufgrund des sogenannten Süd-Nord-Kabels kommen alle neuseeländischen Stromanbieter auf einem großen, inländischen Strommarkt zusammen. Dadurch nimmt der Wettbewerb zu, während die Strompreise fallen. Neuseeländische Haushalte zahlen umgerechnet 18 Cent pro kWh – in Deutschland liegt der Preis bei 29 Cent pro kWh.

Greenpeace-Aktivisten sind davon überzeugt, dass es Neuseeland schaffen könnte, in zehn bis fünfzehn Jahren seinen Energiebedarf zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu decken. Damit wäre Neuseeland ein weltweites Vorbild. Auch ein Export geothermischer Energie sei denkbar: Laut Greenpeace-Berechnungen ließen sich dadurch rund 3 Milliarden Euro pro Jahr einnehmen.

Doch Neuseelands Ökobilanz könnte schon bald weniger rosig aussehen. Beim letzten Weltklimagipfel
hat Neuseeland zusammen mit Japan, Kanada und Russland erklärt, dass es nicht an der zweiten Verpflichtungsdauer des Kyoto-Protokolls teilnehmen möchte. Experten sagen zudem, dass viele Ökostrom-Projekte trotz ambitionierter Ziele nicht weiter verfolgt wurden.

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