Dänemark – Vorreiter in Sachen Windenergie

Offshore-Windkraftpark

Offshore-Windkraftpark
Foto © karin averbeck /pixelio.de

Das kleine Königreich Dänemark knackt seine eigenen Rekorde: Schon 2014 bezog das Land 39,1 Prozent seines Strombedarfs aus Windenergie – der höchste Anteil weltweit. Im Jahr 2015 waren es dann bereits 42,1 Prozent, und selbst das ist dem skandinavischen Staat noch nicht genug. Bis 2030 sollen 90 Prozent des landesweiten Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden – zweifelsohne ein ehrgeiziges Ziel, das angesichts der aktuellen Entwicklungen jedoch realistisch erscheint.

Dänemarks Windenergie wird exportiert

Dänemarks Windräder produzieren so viel Strom, dass ein Teil davon sogar in die umliegenden Länder exportiert werden kann. Im Westen des Landes beträgt der Überschuss an Windenergie tagsüber zeitweise 16 Prozent, nachts steigt er nicht selten auf 40 Prozent. Ein Großteil davon wird in die Nachbarstaaten exportiert. Im Gegenzug importiert Dänemark in windarmen Zeiten deutsche Solarenergie sowie Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sind Biomasseanlagen und thermisch-fossile Kraftwerke nach wie vor am Netz.

Vorsprung durch technische Innovation

Die Evolution der dänischen Windenergie schreitet indessen mit Riesenschritten voran. Im April dieses Jahres hat der dänische Energieminister Lars Christian Lillelund die bislang größten Windräder des Landes eingeweiht. Die 200 Meter hohen Wind-Giganten vom Typ Vestas V164 stehen an der Westküste des Landes bei Esbjerg. Seit den 1970er-Jahren galt die Hafenstadt als Zentrum der dänischen Energieerzeugung, aufgrund der krisenhaften Entwicklungen im Gassektor geriet sie jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das neue Windenergie-Projekt, das künftig bis zu 18.000 Familien mit Strom versorgen kann, soll die Region wieder auf Vordermann bringen.

Dänemark setzt bei Windkraftanlagen jedoch nicht nur auf Größe. Am Forschungszentrum Risø DTU in Roskilde werden derzeit neuartige Windräder mit vier Rotoren entwickelt, die eine verbesserte Ausbeute bei gleicher Höhe gewährleisten. Darüber hinaus testen die Anlagenhersteller Windradtypen mit flexiblen Rotorblatt-Hinterkanten, die zu einer Minderung von Geräuschemissionen führen sollen.

Die Gründe für den Windkraft-Boom

Was viele nicht wissen: Windenergie hat in Dänemark eine lange Tradition. Eine der ersten Anlagen zur Erzeugung von Elektrizität aus Windkraft wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem dänischen Lehrer Poul la Cour (1846-1908) entwickelt. Bereits 1918 standen 120 Windkraftanlagen auf dänischem Boden, seit den 1970er Jahren hat sich die Technologie rasant verbreitet. Zum einen sind dafür die geografisch bedingt guten Windverhältnisse an der nordischen Küste entscheidend. Zum anderen legt der rohstoffarme Staat traditionell großen Wert auf die Unabhängigkeit seiner Energieversorgung.

Der systematische Ausbau der Windenergie, wie ihn das dänische Parlament plant, ist eine konsequente Fortsetzung dieser Energiepolitik. Abzuwarten bleibt, ob und inwieweit Dänemarks Nachbarstaaten dem Beispiel folgen.

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