Baubeginn 2017: Enel errichtet neues Geothermiekraftwerk bei München

Energiekontrollsystem

Energiekontrollsysteme
Foto © Rainer Sturm /pixelio.de

Larderello könnte mit seinen gerade mal 850 Einwohnern ein ganz normales Dorf in der Toskana sein. Überragt wird das Örtchen jedoch von mehreren Kühltürmen, die bereits einen ersten markanten Hinweis auf dessen Besonderheit liefern. Ein zweiter Hinweis: Die Einwohner zahlen 30 Prozent weniger Stromkosten, denn die Energie kommt hier direkt aus dem Erdreich. Tatsächlich ist Larderello die Hauptstadt der Geothermie und fest in der Hand des italienischen Energieversorgers Enel.

Geothermie – eine verlässliche Energiequelle

Die Nutzung von Erdwärme hat in Larderello mittlerweile Tradition. Am 4. Juli 1904 führte Prinz Piero Ginori Conti, damals Eigentümer einer Chemiefabrik, ein entscheidendes Experiment durch, welches den Ort künftig maßgeblich prägen sollte. Dafür benötigte er lediglich einen Dynamo, fünf Glühbirnen und heißes Wasser aus dem Erdreich. Conti erbrachte den Beweis, dass sich mit der im Erdreich gespeicherten Energie Strom erzeugen ließe. Im Laufe der nächsten 110 Jahre entwickelte sich Larderello zur Hauptstadt der Geothermie, dem Wissenschaftler aus aller Welt regelmäßig Besuch abstatten.

Geothermie weist gegenüber anderen Arten der nachhaltigen Stromerzeugung einige gewichtige Vorteile auf. Erdwärme lässt sich unabhängig von Tageszeit und Witterungsverhältnissen nutzen. Das macht sie nicht nur zu einer besonders verlässlichen Energiequelle, vielmehr wird sie dadurch auch grundlastfähig und sorgt für mehr Stabilität in den Stromnetzen.

Auch aus Deutschland dürfte sich bald wieder Besuch in der Toskana ankündigen. Der Grund: Der Energieversorger Enel plant, über die eigene Tochtergesellschaft Enel Green Power die Mehrheit an der Gesellschaft Erdwärme Oberland GmbH zu übernehmen. Allein in der Toskana betreibt der Erdwärmepionier Enel derzeit 37 Kraftwerke, mit deren Hilfe fast ein Drittel des Stromverbrauchs in der Toskana abgedeckt wird.

Deutschlands größtes Geothermiekraftwerk entsteht in Weilheim

Jetzt kommt Enel auch nach Deutschland, genauer gesagt nach Weilheim bei München. Hier finden schon bald die ersten von insgesamt sechs Bohrungen statt, auf deren Basis einmal Deutschlands größtes Erdwärmekraftwerk entstehen soll. Der Baubeginn für das Kraftwerk selbst soll im Herbst 2017 erfolgen, mit der Inbetriebnahme ist Ende 2018 zu rechnen. Die geplante Leistung des Geothermiekraftwerks liegt bei 26 Kilowatt. Pro Jahr sollen hier rund 210 Millionen Kilowattstunden erzeugt werden. Das ist genug, um 60.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Derzeit liegt die Gesamtkapazität im Bereich Geothermie noch bei 32 Megawatt. Mit der Fertigstellung des neuen Kraftwerks wird sich diese also nahezu verdoppeln.

Diese Verdopplung könnte in absehbarer Zeit dazu beitragen, der Geothermie in Deutschland zu mehr Schwung zu verhelfen. Den hätte sie auch nötig, denn bislang macht deren Anteil am Energiemix nur 0,02 Prozent aus. Ganz anders in Italien, denn hier sind es bereits 2 Prozent. Wer jedoch in Deutschland ein solches Kraftwerk auf die grüne Wiese setzen möchte, braucht einen langen Atem. Sowohl Planungs- als auch Genehmigungsphase beanspruchen in der Regel mehrere Jahre. Darüber hinaus bedarf es finanzstarker Investoren, die auf die ersten Erträge auch eine Weile zu warten imstande sind. Der Großteil der Kosten für ein Kraftwerk fällt vorab an – geerntet wird später. Diese Hindernisse erklären, warum es in Deutschland bislang nur zehn geothermische Kraftwerke gibt, in denen auch elektrischer Strom produziert wird. Darunter befindet sich zum Beispiel das Geothermie-Heizkraftwerk in Neustadt-Glewe, zu deren Gesellschaftern die mea Energiedienste Mecklenburg-Vorpommern GmbH gehört, ein Tochterunternehmen der WEMAG-Gruppe. Hinzu kommt, dass Erdwärme nicht überall genutzt werden kann. Die Erschließung ist im Wesentlichen davon abhängig, in welcher Tiefe sich nutzbare Wärme in Form von Wasser befindet.

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