Wichtige Fragen zu Ökostrom – Darauf sollten Sie achten!

Windräder bereit montiert zu werden

Windräder bereit montiert zu werden
Foto © Rainer Golitz /pixelio.de

Ökostrom kommt in immer mehr Fällen genau dort an, wo er hin soll, nämlich in den Steckdosen der Haushalte. Ein grüner Stromtarif ist längst nichts mehr für Exzentriker, sondern bei 3,2 Millionen Haushalten in Deutschland völlig normal. Das haben zumindest die Zahlen der Bundesnetzagentur bestätigt. Diese zeigen aber auch, dass da noch Potenzial nach oben vorhanden ist. Viele Kunden sind sich jedoch noch nicht ganz sicher, ob sie fortan von ihrem gewohnten Tarif lassen und dafür zu einem Ökostromanbieter wechseln wollen.

Dieser Wechsel an sich sollte jedoch keinerlei Probleme mit sich bringen, denn hierfür genügen ein paar Mausklicks. Noch nicht einmal die Kündigung beim alten Anbieter müssen Kunden noch selber durchführen, denn diese übernimmt praktischerweise der neue Stromversorger – zusammen mit allen Formalitäten. Kompliziert ist der Wechsel also nicht. Es bleiben dennoch weitere Fragen zum Thema Ökostrom, und einige von ihnen möchten wir im Folgenden für Sie beantworten.

Was genau ist eigentlich Ökostrom?

Unter dem Begriff Ökostrom werden mehrere unterschiedliche Arten an Strom zusammengefasst. Das liegt schlicht daran, dass der Begriff „Ökostrom“ rechtlich nicht geschützt ist. Kunden sollten ihren neuen Anbieter also stets etwas genauer unter die Lupe nehmen, bevor sie bei ihm einen Liefervertrag unterschreiben. „Echter“ Ökostrom stammt aus erneuerbaren Energien – und zwar zu 100 Prozent. Die Energie stammt also üblicherweise aus Windkraft- oder Photovoltaikanlagen sowie aus Wasserkraft oder Biomasse.

Der Strom aus der heimischen Steckdose bleibt in viele Fällen erst einmal der gleiche, denn alle Anbieter speisen ihre erzeugte Energie in ein Netz ein. Entscheiden sich aber mehr Kunden für Ökostrom, dann erhöht sich auch dessen Anteil an diesem „Strompool“.

Neben den echten Ökostromtarifen gibt es noch sogenannte Klimatarife. Der Strom selber kommt hierbei nur teilweise oder gar nicht aus regenerativen Energiequellen. Dafür verpflichtet sich der Anbieter jedoch zu Ausgleichszahlungen, um dem CO2-Ausstoß auf diesem Wege entgegenzuwirken. Diese Zahlungen gehen dann an Umweltorganisationen und Klimaprojekte. Ein typisches Beispiel ist die Wiederaufforstung von Wäldern oder die Unterstützung des Baus neuer Ökokraftwerke.

Ist der Wechsel zu Ökostrom lohnenswert?

Ökostrom kann auch vom finanziellen Aspekt her betrachtet durchaus lohnenswert sein. Viele Ökostromtarife sind schon heute deutlich günstiger als beispielsweise die Basistarife der örtlichen Grundversorger wie z.B. der Stadtwerke. Da die Zahl der Ökostromanbieter und folglich auch der verfügbaren Tarife ständig wächst, empfehlen sich Vergleichsportale im Internet, um die günstigsten Angebote ausfindig zu machen. Hier lassen sich die effektiven monatlichen Kosten ersehen, wodurch auch Preisnachlässe für Neukunden, Boni und Rabatte berücksichtigt werden. Um einen solchen Vergleich durchzuführen, ist lediglich die letzte Jahresabrechnung erforderlich, um aus ihr den tatsächlichen Stromverbrauch ablesen zu können.

Was ist beim Anbieterwechsel zu beachten?

Da wie oben beschrieben nicht alle Ökostromanbieter auch 100prozentigen Ökostrom anbieten, sollte bei der Auswahl auch das Kleingeduckte gebührend Beachtung finden. Denn gerade bei der Auswahl sogenannter Klimatarife kann es sein, dass der Stromversorger zum einen Strom aus Wind- oder Wasserkraft anbietet, anderswo aber den Ausbau von Atom- und Kohlekraftwerken fördert. Nicht umsonst sprechen Verbraucherschützer hier in vielen Fällen von einer Art des Etikettenschwindels. Vor allem bei besonders großen Stromkonzernen ist dies in der Praxis öfter der Fall, weswegen es empfehlenswerter ist, auf kleinere, regionale Anbieter auszuweichen. Diese erzeugen echten Ökostrom oftmals direkt vor Ort. Kunden können dadurch auch gleich noch etwas für die regionale Wirtschaft tun. Die Stiftung Warentest rät außerdem dazu, Anbieter auszuwählen, die konsequent in den Ausbau von erneuerbaren Energien investieren. Dies ist ein gutes Zeichen dafür, dass auch eine ordentliche Portion Idealismus mit von der Partie ist und nicht bloßes Profitinteresse.

Was genau ist eigentlich das „Grüner Strom Label“?

Das Grüner Strom Label hilft dabei, die oben geschilderte Problematik anzugehen. Denn mit diesem Label werden nur Stromversorger ausgezeichnet, die tatsächlich in erneuerbare Energien investieren. Im Klartext heißt das, dass ein bestimmter Mindestbetrag je verbrauchter Kilowattstunde (meist 1 Cent je kWh) direkt in regenerative Stromerzeugungsanlagen fließt. Kunden fördern damit aktiv den Ausbau von erneuerbaren Energien. Der Grüner Strom Label e.V. basiert übrigens auf einer Initiative von Eurosolar, Nabu, BUND und Die Verbraucherinitiative e.V. Das Label selbst wird in Silber und in Gold vergeben. Bei letzterer Variante können sich Kunden absolut sicher sein, dass ihr Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt.

Und was ist unter dem „ok-power“-Siegel zu verstehen?

Dieses Siegel wird vom Energie-Vision e.V. vergeben. Gegründet wurde dieser Verein von den Organisationen WWF, dem Öko-Institut und der Verbraucherzentrale NRW. Ziel ist auch hier eine Verbesserung der Markttransparenz. Hier stehen jedoch drei verschiedene Modelle zur Verfügung. Bei Händlermodell darf der Strom zu maximal 50 Prozent aus hocheffizienten Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung stammen. Ein Drittel des Stroms muss dabei aus Anlagen kommen, die nicht älter als 6 Jahre sind, ein weiteres Drittel aus Anlagen, die nicht älter als 12 Jahre sind.

Das nächste Modell ist das sogenannte Fondsmodell: Ein Teil des vereinnahmten Strompreises muss dabei in den Ausbau regenerativer Energien fließen. Unter diese Kategorie fallen nur Kraftwerke, die ihren Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz in das Netz einspeisen, bei denen die Vergütung nach EEG jedoch nicht zwangsläufig zu Wirtschaftlichkeit führt.

Das neueste Modell ist das Initiierungsmodell: Dabei erhält der Kunde Strom aus erneuerbaren Energien, wobei dieser zu maximal 50 Prozent aus hocheffizienten KWK-Anlagen stammen darf. Der Anbieter muss darüber hinaus den Bau neuer Anlagen in initiieren, wofür er gesetzliche Förderungen in Anspruch nehmen darf.

Sind TÜV-Zertifikate sicher?

Das Problem bei diesen Zertifikaten liegt darin, dass jeder TÜV in Deutschland eigene Zertifikate vergeben darf und die Kriterien dafür auch weitestgehend selber festlegt. Das wiederum führt zu Qualitätsunterschieden. Die Stiftung Warentest kritisierte daran schon, dass TÜV-Prüfer oftmals nur nebensächliche Kriterien zertifizieren. Ein Siegel gibt es beispielsweise schon dann, wenn nur die versprochene Preisgarantie eingehalten wird. Andere TÜV-Niederlassungen hingegen können besonders strenge Anforderungen haben, wenn es um eine Zertifizierung geht.

Was ist unter RECS-Zertifikaten zu verstehen?

RECS steht für „Renewable Energy Certificate System“. Die Organisation dahinter möchte angeblich die Produktion von grünem Strom fördern. Verbraucherschützer sehen darin jedoch einen Trick, um konventionellen Strom in Ökostrom umzuetikettieren. Denn auch Anbieter von Atomstrom können beispielsweise dieses Zertifikat kaufen. Mit dem Zertifikat sind keinerlei Anforderungen an die Anlagen verbunden.

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