Was bedeutet eine Preisgarantie bei Strom?

Stromkosten trotz Preisgarantie im Überblick behalten
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Eine Preisgarantie verspricht Schutz vor steigenden Stromrechnungen. Der Stromanbieter sichert Ihnen dabei zu, die Preise für einen gewissen Zeitraum nicht zu erhöhen. Doch aufgepasst: Nicht immer bezieht sich die Garantie auf den vollen Strompreis!

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile eine Preisgarantie bei Strom hat und was Sie im Kleingedruckten unbedingt beachten sollten.

Inhalt

1. Preisgarantie macht Betriebskosten vorhersehbar
2. Kann eine Energiepreisgarantie Nachteile haben?
3. Worauf sollte man bei einer Preisgarantie achten?
4. Bei Preiserhöhung greift ein Sonderkündigungsrecht

Preisgarantie macht Betriebskosten vorhersehbar

Statistiken zeigen, dass die Stromkosten von Endverbrauchern seit der Jahrtausendwende kontinuierlich nach oben geklettert sind: von rund 40 Euro monatlich für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt im Jahr 2000 auf fast 90 Euro im Jahr 2019.

Stromkosten klettern kontinuierlich nach oben
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Warum Strom immer teurer wird?

Dafür sorgen unter anderem höhere Netzentgelte, gesetzliche Umlagen und teils auch höhere Beschaffungskosten. Vermutlich wird sich die Preisspirale weiter nach oben drehen. Eine Preisgarantie für 12 oder sogar 24 Monate ist daher ein verlockendes Angebot: Egal wie sich der Markt entwickelt, Sie als Verbraucher haben keine Preisanpassung zu befürchten und können Ihre Nebenkosten verlässlich planen.

Kann eine Energiepreisgarantie Nachteile haben?

Natürlich muss der Stromversorger mögliche Marktpreis-Steigerungen mit einkalkulieren, wenn er Verträge mit Preisgarantie anbietet. Festpreis-Tarife können daher teurer sein als vergleichbare Stromtarife ohne Preisgarantie, weil mögliche Kostenschwankungen bereits eingepreist sind. Es handelt sich somit nicht um eine Tiefpreisgarantie! Trotzdem sind Festpreis-Tarife im Vergleich zum lokalen Grundversorger oft günstiger. Falls Sie Ihren Stromanbieter noch nie gewechselt haben, können Sie mit großer Wahrscheinlichkeit einen günstigeren Tarif abschließen und bekommen als zusätzliches Extra noch eine Energiepreisgarantie dazu.

Doch Sie sollten bedenken, dass eine Preisgarantie in beide Richtungen gilt. Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist: Falls die Strompreise wieder sinken, bezahlen Sie weiterhin den vertraglich vereinbarten Fixpreis. Außerdem gehen Sie bei vielen Tarifen im Gegenzug für den Festpreis eine längere Mindestvertragsdauer ein. Häufig binden Sie sich ebenso lang, wie Ihnen der Anbieter feste Preise verspricht. Sie können somit in den nächsten 12 oder 24 Monaten nicht Ihren Stromversorger wechseln, selbst wenn Sie einen günstigeren Konkurrenzpreis entdecken.

Worauf sollte man bei einer Preisgarantie achten?

Wie bei jedem anderen Stromtarif auch lohnt sich ein Blick in das Kleingedruckte, wenn Ihnen ein Anbieter Festpreise verspricht. Um im Nachhinein keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Sie unbedingt die folgenden beiden Fragen abklären:

1. Gilt der Festpreis für die gesamte Vertragslaufzeit?

Das Garantieversprechen des Stromversorgers gilt in der Regel nur für eine begrenzte Zeitdauer. Umgekehrt gehen Sie meist eine Mindest-Vertragslaufzeit ein, während der Sie nicht wechseln können. Diese Mindestlaufzeit sollte nicht länger sein als der Zeitraum, in dem die Energiepreisgarantie gilt! Denn andernfalls könnte der Anbieter die Preise erhöhen, während Sie noch in dem Vertrag feststecken.

2. Ist die Preisgarantie eingeschränkt?

Bei manchen sogenannten Preisgarantien gibt es einen großen Haken – das Garantieversprechen gilt nicht für den gesamten Strompreis. Dazu muss man wissen: Ebenso wie der Gaspreis setzt sich der Strompreis, den Sie als Endkunde bezahlen, aus mehreren Anteilen zusammen:

  • Stromerzeugung oder -einkauf, Vertrieb und Gewinnmarge: rund 22,4 Prozent
  • Netznutzungsentgelte: ca. 23 Prozent
  • Mehrwertsteuer: 16 Prozent
  • Stromsteuer: 6,9 Prozent
  • EEG-Umlagen und weitere Abgaben: 30,7 Prozent
  • Messung und Messstellenbetrieb: 1,1 Prozent

Haben Sie gewusst, dass sich die Strompreise in Deutschland im Allgemeinen auch von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können?

Eine eingeschränkte Preisgarantie bedeutet nun: Das Garantieversprechen des Stromversorgers gilt nur für bestimmte Anteile, während andere ausgenommen sind. Das kann zur Folge haben, dass Ihnen trotz angeblicher Festpreise eine höhere Stromrechnung ins Haus flattert!

Eine volle Preisgarantie, die 100 Prozent des Strompreises umfasst, wird vergleichsweise selten angeboten. Bei vielen Anbietern handelt es sich um eine Netto-Preisgarantie. Mögliche Erhöhungen der Mehrwert- und Stromsteuer sind damit vom Festpreis-Garantieversprechen ausgenommen.

Einige Stromversorger schränken die Garantie sogar noch weiter ein und behalten sich vor, auch erhöhte Netznutzungsentgelte sowie staatliche Umlagen an den Kunden weiterzureichen. Das Preisversprechen gilt dann für gerade einmal 25 Prozent des Strompreises, den Sie als Kunde bezahlen. Solche vermeintlichen „Festpreise“ sind nicht viel wert, Ihre Stromrechnung kann sich jederzeit erhöhen. Tarife mit Preisversprechen haben nur dann Hand und Fuß, wenn es sich zumindest um eine Netto-Preisgarantie handelt.

Bei Preiserhöhung greift ein Sonderkündigungsrecht

Gut zu wissen: Wenn Ihr Stromversorger die Preise erhöht, steht Ihnen ganz unabhängig von einer Preisgarantie ein Sonderkündigungsrecht zu. Das Unternehmen muss Sie 6 Wochen im Voraus schriftlich über die geplante Preiserhöhung informieren. Anschließend haben Sie meist 2 Wochen Zeit, um Ihren Vertrag zu kündigen. Sie müssen höhere Preise daher nicht einfach hinnehmen!

Da der Strommarkt recht dynamisch ist, lohnt es sich, hin und wieder einen Stromvergleich vorzunehmen und zu prüfen, ob Sie durch einen Anbieterwechsel Geld sparen können. Haben Sie noch nie gewechselt, dann sind Sie wahrscheinlich beim örtlichen Grundversorger, der meist teuer ist. Im direkten Preisvergleich finden sich fast immer günstigere Tarife, durch die Sie Ihre Stromkosten dauerhaft senken können.

 

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