Lokale Brennstoffe für neue Biomasse-Heizkraftwerke

Was haben Parchim und Wiesbaden gemeinsam? Beiden Städten setzen auf Biomasse-Heizkraftwerke, um Klimaziele zu erreichen. Biomasse heißt in beiden Fällen Holz, quasi Pelletheizungen in groß. In Parchim soll Naturholz aus dem Stadtforst zum Einsatz kommen, in Wiesbaden kann auch Alt- und Bauholz verheizt werden. Vor allem in der Größe unterscheiden sich die Kraftwerke. Ganze 12.000 Wiesbadener Einfamilienhäuser sollen mit Strom und Fernwärme versorgen. Die Anlage der ESWE BioEnergie ging Mitte Dezember in Betrieb und zählt europaweit zu den modernsten ihrer Art, die Parchimer Anlage startet in wenigen Tagen den Probebetrieb. Daher nehme ich mir mal die Wiesbadener Anlage unter die Lupe.

Wiesbaden: Ein wichtiger Schritt in Richtung Energiewende

Das neue Bioheizkraftwerk soll die Stadt Wiesbaden ihren hoch gesetzten Zielen ein Stück weit näher bringen. Denn bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent gesteigert werden. Gestützt wird dieses ehrgeizige Vorhaben nun durch die Anlage der ESW Bioenergie, einem Tochterunternehmen des Energieversorgers ESWE. Rund 23.000 Quadratmeter nimmt die vor der städtischen Deponie errichtete Anlage ein.

Daten und Fakten zum neuen Biomasse-Heizkraftwerk

Als Biomasse dient der Anlage Alt- und Gebrauchsholz. Rund 90.000 Tonnen davon sollen künftig im Biomasse-Heizkraftwerk verfeuert werden. Das Resultat: 65.000 Megawattstunden an regenerativ erzeugtem Strom sowie 155.000 MWh an Fernwärme. Das entspricht bereits 50 Prozent des Fernwärmebedarfs der Stadt Wiesbaden. Wiesbadens Oberbürgermeister, Sven Gerich, sieht in der Anlage einen großen Schritt in Richtung Energiewende. Ralf Schodlock, Vorstandsvorsitzender der ESWE Versorgungs AG, spricht von 12.000 Einfamilienhäusern, die sich – rein rechnerisch zumindest – mit dem Heizkraftwerk versorgen ließen.

Mehrstufiges Filtersystem schützt Umwelt und Anwohner

Rund 55 Millionen Euro hat die Anlage gekostet. Dass sich die Investition gelohnt hat, soll sich vor allem in ihrem Effizienzgrad widerspiegeln. Dieser ist vor allem der gekoppelten Produktion von Strom und Wärme gleichzeitig zu verdanken. Maximal 20 Prozent des eingesetzten Holzes dürfen aus Biomasse stammen, die zuvor chemisch behandelt wurden. Zum Schutze der Umwelt und der Anwohner wurde zudem ein mehrstufiges Filtersystem integriert. Die bei der Verbrennung freigesetzten Schadstoffe werden so zu annähernd 100 Prozent ausgefiltert. Die Rauchgasreinigung entspricht damit den strengen Vorgaben, die das Bundesimmisionsschutzgesetz an solche Anlagen stellt. Insgesamt soll der lokale Ausstoß von CO2 um rund 95 Millionen Kilogramm reduziert werden – allein durch die Verbrennung von Biomasse.

Technisches Herzstück der Anlage ist der Feuerraum mit modernster Dampfkessel-Technologie. Schon im Feuerraum der Anlage, in dem während des Betriebs immerhin rund 1.1200 Grad Celsius herrschen, beginnt die Reduzierung der Schadstoffe. So wird beispielsweise die Entstehung von schädlichen Stickoxyden durch eine spezielle Luftführung und die Zuführung von Harnstoff deutlich minimiert. Der Strom selbst wird über eine moderne Dampfturbine erzeugt. Deren Niederdruckteil wird dann die Wärme zur Einspeisung in das Fernwärmenetz entnommen.

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