Heizungssteuerung: Intelligentes und Altbewährtes im Vergleich

Fotolia © Christian Delbert

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Der Aufgabenbereich intelligenter Technik ist schnell umschrieben: Sie soll das Leben erleichtern. Dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit gelegentlich Lücken klaffen können, zeigen diverse Steuerungslösungen für Heizsysteme. Derzeit drängen in großer Zahl neue Teilnehmer auf den Markt, um mit alteingesessenen wie namhaften Unternehmen wie Viessmann, Danfoss oder Buderus zu konkurrieren. Die Ausgaben deutscher Haushalte für Heiztechnik sind alles andere als bescheiden. Da ist es fast logisch zwingend, wenn Start-ups, Telekommunikationsunternehmen und Energieversorger ein Stück vom Kuchen abhaben wollen.

Google schnappt sich das gemachte Nest 

Copyright nest.com

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Anfang des Jahres gab es bereits den ersten großen Knall in der Branche: Der Internetgigant Google ließ sich die Übernahme des amerikanischen Start-ups Nest Labs mit knapp 300 Mitarbeitern 3,2 Milliarden Dollar kosten. Damit wurde die Aufmerksamkeit auf den dynamischen Markt der Haustechnik gelenkt. Googles Interesse liegt vor allem auf der intelligenten Steuerungstechnik, denn diese ist dazu in der Lage, Heizverhalten zu erlernen. Dadurch „weiß“ sie irgendwann, wann die Hausbewohner anwesend sind und „handelt“ dementsprechend.

Auf den deutschen Markt dürfte die Übernahme erst einmal keine Folgen nach sich ziehen. Die Nest-Thermostate sind bislang nur jenseits des Atlantiks zu haben und mit ihrer Technik stark auf amerikanische Eigenheiten ausgelegt. Ob diese Technik irgendwann zur alten Welt herüber schwappt, ist also noch ungewiss.

Tado „wartet“ auf seinen Besitzer

Copyrigt Tado: Intelligentes Heizungssystem für Haus und Wohnung.

Copyrigt Tado: Intelligentes Heizungssystem für Haus und Wohnung.

Aber auch in München macht gerade ein junges Start-up namens tado von sich reden. Dort hat man nämlich eine Technik entwickelt, die sowohl die Ortungsfunktion von Smartphones als auch die Wettervorhersage zu nutzen imstande ist. Das System erkennt dadurch, wann der Bewohner sich innerhalb seiner vier Wände befindet und wann er sie verlassen hat. Sobald dieser sich dann wieder seinem Zuhause nähert, schaltet tado automatisch die Heizung ein, um die gewünschte Wohlfühltemperatur zu erzeugen.

Damit das funktionieren kann, muss es in der ersten Woche erst einmal lernen, wie lange das Aufheizen auf eine bestimmte Temperatur überhaupt dauert. So ist es am Anfang möglich, dass der Bewohner zuhause ankommt, bevor diese Temperatur erreicht ist. Mit der Wettervorhersage ist es tado möglich, beim Aufheizen auch die Außentemperatur mit einzubeziehen. Herrscht also schönes Wetter mit freundlichen Temperaturen vor, muss weniger geheizt werden und es kommt auch nicht zu einer Überheizung der Wohnung.

Fraunhofer-Institut belegt Vorteile intelligenter Steuerungstechnik

Dieses Beispiel zeigt bereits einen der wesentlichen Vorteile intelligenter Heiztechnik auf. Denn solche Systeme tragen in erheblichem Maße dazu bei, Heizenergie einzusparen und damit einen Teil zum Klimaschutz beizutragen. Tado hat, um dies zu belegen, eine Studie beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Auftrag gegeben.

Dabei haben die Wissenschaftler zwei Szenarien untersucht, den typischen Single-Haushalt in einer Altbau-Geschosswohnung und einen Familienhaushalt in einem Altbau-Einfamilienhaus. Das Ergebnis dieser Studie spricht für sich: Mithilfe der Technik von tado konnte der Single-Haushalt 26 Prozent, der Einfamilienhaushalt 21 Prozent an Heizenergie einsparen. Knapp ein Viertel der Einsparungen geht auf die Temperaturabsenkung bei Abwesenheit zurück, etwa 7 Prozent basieren auf der Berücksichtigung von Wettervorhersagen.

Einfaches Abdrehen reicht auch aus

Solche Ergebnisse lassen sich aber nicht nur mit modernster Technik wie der von tado erzielen. Das gleiche Ergebnis wird nämlich auch dann erzielt, wenn der Heizkörper beim Verlassen der Wohnung heruntergedreht wird. Vielen Menschen ist das aber schlicht zu aufwendig, jedes Mal, wenn ein Raum oder die Wohnung verlassen wird, die Heizkörper dementsprechend einzustellen. Demgegenüber ist es jedoch selbstverständlich, das Licht abzuschalten, obwohl die Energieeinsparungen beim Heizen sehr viel höher ausfallen. Ein typischer Haushalt wendet gerade mal zwei Prozent der Energie dazu auf, Licht zu erzeugen. Dagegen fließen mehr als 70 Prozent in und durch die Heizung.

Die Aufgabe der modernen Heiztechnik ist also eher darin zu sehen, das Energiesparen samt den zugehörigen Regelungen zu vereinfachen. Die verschiedenen Anbieter setzen dabei auch meist auf die gleiche Technik, bei der die Steuerung der Heizung mit einem Internetzugang verbunden wird. Über diesen wird dann eine Verbindung zum Anbieter aufgebaut, der mittels Web-Portal und Smartphone-App die Steuerung ermöglicht. Die Unterschiede sind eher bei Funktionen zu erkennen, die den Komfort betreffen. Dazu zählen beispielsweise die lernende automatische Nutzungserkennung sowie zentrale und dezentrale Steuerung der Heizanlage.

Mit tado wird derzeit noch das Konzept der zentralen Heizungssteuerung verfolgt. Andere Systeme gehen jedoch bereits dazu über, jeden Heizkörper einzeln zu steuern. Damit weitet sich das intelligente Heizen auch auf die einzelnen Räume aus, selbst wenn keine eigene Heizungsanlage zur Verfügung steht, sondern eine Zentralheizung wie in Mietshäusern sehr oft der Fall.

Auch namhafte Hersteller ziehen nach

Die Hersteller von Heizungen wie Viessmann, Buderus und Junkers bieten bislang nur eine Steuerung der Zentralheizung per Smartphone oder Tablet an. Bewohner erhalten dadurch praktisch eine Fernbedienung für ihre Heizung. Sie können so beispielsweise kurz vor ihrer Rückkehr nach längerer Abwesenheit die Heizung am Tag vor ihrer Ankunft wieder einschalten. Bei der Ankunft ist die Wohnung dann wieder auf die gewünschte Temperatur geheizt.

Bei Vaillant ist man hingegen noch nicht so weit vorangeschritten. Der Hersteller aus Remscheid hat noch keine Internetsteuerung in seine Produkte integriert und erst ein einziges Gerät lässt sich per Smartphone oder Tablet steuern. Bei Buderus kooperiert man bereits mit dem Energieversorger RWE. Letzterer baut mit seiner Smart-Home-Lösung gerade in komplettes Sortiment an Möglichkeiten zur Automatisierung auf. Buderus ist beispielsweise der erste Hersteller, dessen Brenner sich über ein solches System steuern lassen.

Start-ups wie tado haben eher die einfache Bedienung im Visier, bei denen der Nutzer möglichst wenig selber tun muss. Dem Unternehmen zufolge lässt sich tado mit beinahe allen Heizungen der letzten 30 Jahre kombinieren. Dafür hat das Unternehmen auch viel Aufwand im Hinblick auf die Programmierung der Schnittstellen betrieben. Derzeit ist jedoch noch nicht abzusehen, wann es eine dezentrale Steuerung geben wird, die sich auf die Beheizung einzelner Räume ausweiten lässt.

Einen Schritt weiter: alphaEOS und mobilcom-debitel


Das Stuttgarter Unternehmen alphaEOS ist da schon weiter, denn mit seinem vorausschauenden Heizungssystem lassen sich sowohl Wetterdaten als auch Heizgewohnheiten analysieren, um dann für jeden Raum individuelle Einstellungen festzulegen. Die Steuerfunktion geht dabei auf jeden Heizkörper einzeln ein. Auch das Telekommunikationsunternehmen mobilcom-debitel drängt auf diesen Markt, indem es eine eigene Smart-Home-Steuerung anbietet, in die ebenfalls die Regulierung einzelner Heizkörper integriert ist.

Steuerungsventile statt High-Tech-Lösungen

Die Alternativen für bedarfsgerechte Lösungen mehren sich also zusehends. Trotzdem wird sich der eine oder andere Nutzer sicherlich nicht mit dieser Technik anfreunden können. Sei es, weil er den Aufwand für zu groß hält oder weil Sicherheitsbedenken bei all den Vernetzungen auftauchen. Hier bleiben aber noch zeitabhängige Steuerungsventile als Lösung, die in so gut wie jedem Baumarkt und mittlerweile sogar als Aktionsware in Lebensmitteldiscountern angeboten werden. Diese Zeitschaltuhren mögen zwar nicht ganz den Komfort einer Smart-Home-Lösung bieten, können aber dennoch dazu beitragen, die Heizkosten um ein Viertel zu senken.

Der größte Energiesparer blieb aber bislang noch unerwähnt. Und dabei handelt es sich um keinen geringeren als den letzten Winter. Der war nämlich einer der drei wärmsten seit Beginn der Klimaaufzeichnungen.

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