Energetische Sanierung: Welche Maßnahmen amortisieren sich am schnellsten?

Tim Reckmann / pixelio.de

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Den Energieverbrauch des Eigenheims zu senken, ist an sich schon ein löbliches Vorhaben – aber auch ein teures. So geht die Planung entsprechender Arbeiten immer auch mit der Frage einher, welche der Maßnahmen sich am schnellsten bezahlt macht. Im Folgenden sollen daher die drei wichtigsten Maßnahmen zur energetischen Sanierung, Heizungserneuerung, Dämmung und Rundum-Sanierung unter dem Aspekt der Rentabilität miteinander verglichen werden.

Wärmewende lässt weiter auf sich warten

Bekanntlich jagen Deutschlands Bürger Jahr für Jahr Millionenbeträge durch den Schornstein, da noch immer Millionen von Heizungen veraltet sind und die eingesetzten Brennstoffe nicht effizient genug verfeuert werden. Der Energiedienstleister Techem kam im Rahmen einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Wärmeerzeuger hierzulande über 20 Jahre alt sind. Bei der Initiative Erdgas geht man davon aus, dass rund drei Viertel der Heizanlagen in Deutschland nicht dem derzeitigen Stand der Technik entsprechen.

Kurzfristigen Entwicklungen zum Trotze: Energiekosten steigen weiter an

Gerade in Haushalten, in denen besonders alte Geräte mit mehr als 20 Jahren auf dem Buckel noch immer ihren Dienst tun, kann besonders viel Geld gespart werden. Zwar mögen die aktuellen Öl- und Gaspreise für Hausbesitzer wenig motivierend wirken, gerade jetzt eine energetische Sanierung zu veranlassen, der Trend der Energieentwicklung dürfte jedoch langfristig intakt bleiben. Es reicht bereits ein Blick zurück ins Jahr 2010, um das zu bestätigen. Denn seitdem haben sich die Preise laut Statistischem Bundesamt um annähernd 20 Prozent verteuert. Das gilt vor allem für fossile Brennstoffe wie Heizöl.

Schnelle Rendite: Heizung modernisieren

Allein die Heizungsmodernisierung bietet vielfältige Möglichkeiten, um gegenzusteuern. Eine davon besteht in der Umrüstung auf moderne Brennwertkessel, die dazu in der Lage sind, die im Abgas enthaltene Wärme zu nutzen und so die im Brennstoff gespeicherte Energie zu nahezu 100 Prozent zu nutzen. Das Spektrum der Möglichkeiten erstreckt sich noch weiter über Wärmepumpen und Solarthermieanlagen, die der Umwelt Wärme entziehen oder Sonnenenergie für die Beheizung der Wohnräume nutzen. KWK-Anlagen sind dazu in der Lage, gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen und Biomasseheizungen lassen sich mit den vergleichsweise günstigen Holzpellets befeuern, was die CO2-Bilanz deutlich verbessert.

Wer Besitzer eines Eigenheims ist, sollte zuerst eine Erneuerung der Heizung ins Auge fassen. Hier rechnet sich die Investition erfahrungsgemäß am schnellsten. Das gilt vor allem für den Tausch völlig veralteter Öl- und Gaskessel gegen moderne Brennwertgeräte. Wenn dann noch Wärmespeicher und Regeltechnik mit ausgetauscht werden, macht sich die Investition – konservativ gerechnet – nach neun Jahren bezahlt. Während der verbleibenden Lebensdauer darf sich der Besitzer dann über die erwirtschaftete Rendite freuen.

Amortisation dauert: Dämmung der Gebäudehülle

Wenn die Gebäudehülle energetisch saniert werden soll, was beispielsweise durch eine Fassadendämmung oder den Einbau neuer Fenster geschehen kann, sollte etwas mehr Zeit für die Amortisation eingeplant werden. Im selben Zuge empfiehlt es sich, auch gleich noch die Erneuerung der Heizanlage mit zu planen. Sinkt nämlich infolge der Dämmung der Heizenergiebedarf, kann auch eine kleiner dimensionierte Heizung gewählt werden, was die Rentabilität durch einen zusätzlichen Spareffekt insgesamt verbessert. Was dann noch durch den Schornstein wandert, besteht nur noch aus Abgasen.

So hoch ist das Sparpotenzial: Beispielrechnungen

Die Ausgangslage – hier dargestellten Modernisierungsvarianten beziehen sich auf ein Einfamilienhaus mit Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss und Dachgeschoss. Die Wohnfläche beträgt 150 Quadratmeter und der Wärmeschutz entspricht der entsprechenden Verordnung aus dem Jahr 1984. Im Keller tut eine alte Ölheizanlage ihren Dienst. Die zugrunde gelegten Energiekennwerte sind Mittelwerte zwischen Standard- und Niedertemperaturkessel. Die Umwälzpumpe ist ungeregelt und ein hydraulischer Abgleich wurde noch nicht durchgeführt. Das Speicher- und Leitungssystem ist mäßig gedämmt. Aktuell liegt der Endenergiebedarf bei 39.923 Kilowattstunden und die Energiekosten betragen pro Jahr 3.478 Euro.

Anmerkungen zu den einzelnen Maßnahmen

Durch die Dämmung der Gebäudehülle und einen Austausch der Fenster lässt sich in diesem Beispiel das Anforderungsniveau der Energieeinsparverordnung von 2009 erzielen. Bei der Heizungserneuerung sind Erneuerung von Kessel, Heizungspumpe, Regelung, Speicher, Abgasanlage und Thermostatventilen mit inbegriffen. Darüber hinaus erfolgt noch eine Dämmung der Rohrleitungen und ein hydraulischer Abgleich. Wird beim Brennstoff auf Erdgas umgestellt, kommt noch die Verlegung eines entsprechenden Anschlusses hinzu. Bei der Installation eines Brennwertkessels muss an den Heizkörpern nichts verändert werden. Kommt eine neue Ölheizung zum Einsatz, kann der Öltank bestehen bleiben.

Beim Einbau einer Wärmepumpe müssen auch neue Heizkörper installiert werden. Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen sind die Systemtemperaturen auf einem niedrigeren Niveau als im ursprünglichen Zustand. Kommt ein KWK-System zum Einsatz, wird unterstellt, dass von dem erzeugten Strom 60 Prozent selber genutzt werden. Hinzu kommen dann noch Zuschläge und Vergütungen nach dem KWK-Gesetz infolge der Stromeinspeisungen.

Fördermittel senken die Kosten

Die hier verwendeten Förderungen stammen zum einen aus den Programmen der KfW und zum anderen aus denen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, wobei immer das Programm bevorzugt wird, dass im jeweiligen Fall mehr Fördergelder verspricht. Die Amortisationszeiten beziehen sich stets auf die Vollkosten der durchgeführten Sanierungsmaßnahme.

Darüber hinaus wurden die folgenden Energiepreise verwendet:

– Öl mit 85 bis 89 Cent pro Liter
– Pellets mit 259 bis 286 Euro pro Tonne
– Gas mit 0,065 Euro pro Kilowattstunde zuzüglich der Grundkosten von 150 Euro pro Jahr
– Strom mit 24 Cent je Kilowattstunde und einem Grundpreis von 80 Euro pro Jahr

Bei diesen Werten handelt es sich um Mittelwerte aus dem Jahr 2013. Energiepreissteigerungen der vergangenen Jahre wurden bei der Rechnung nicht berücksichtigt. Auch Ersatzbeschaffungen sind nicht in die Kalkulation mit aufgenommen.

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