Die Feldheimer Energiewende

Feldheimer Energiewende

In der brandenburgischen Gemeinde Feldheim
drehen sich 43 Windräder
Quelle: Europressedienst

Feldheim ist ein Name, den man sich merken sollte. Die brandenburgische Ortschaft wurde nämlich im Oktober 2010 zur ersten energieautarken Gemeinde Deutschlands gekürt. Sowohl mit Wärme als auch mit Strom versorgt sich die Gemeinde komplett selbst und ist damit völlig unabhängig von großen Energieversorgern.

Eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf

Den Anfang machte in Feldheim eine ganz normale Biogasanlage, die gemeinsam mit der Agrargemeinschaft Feldheim errichtet wurde. Diese liefert sowohl den Strom für eine Fabrik, die Metallgestelle herstellt, als auch die Wärme für einen Schweinezuchtbetrieb. Es dauerte aber nicht lange, bis andere Feldheimer danach fragten, ob sie nicht selber diese Art der Energieversorgung nutzen können. Betreiber der ersten Anlage ist damals wie heute die Energiequelle GmbH.

Eigene Netze – eigene Versorgung 

Und diese GmbH hat dann auch den Bau eines Nahwärmenetzes veranlasst, über das sich fortan auch die Bürger Feldheims günstig und nachhaltig mit Wärme versorgen können. Kurze Zeit später nahm die Energiequelle GmbH einen eigenen Windpark mit 43 Windturbinen in Betrieb. Allerdings konnte der dort produzierte Strom nicht selber verbraucht werden, was schon bald einige Fragen aufwarf. Eigentlich kein Problem, denn der Windpark produziert rund 74 Megawatt. Jedoch gehörte das Netz nicht der Gemeinde, sondern dem Energiekonzern E.on Edis, und der lehnte eine Veräußerung des Netzes schlicht ab – ohne Verhandlungen.

Eine Alternative hätte die Durchleitung des Stromes sein können, aber das erschien den Feldheimern nicht konsequent genug. Denn dann wäre es nur auf dem Papier „ihr“ Strom gewesen. Tatsächlich hätte dieser aber auch ganz woanders produziert werden können und auch nicht zwangsläufig aus nachhaltiger Energiegewinnung. Zudem wäre der Strom zu deutlich höheren Kosten beim Verbraucher angelangt. Ziel war es also, den Strom der eigenen Windturbinen für die Bürger Feldheims verfügbar zu machen.

Die eigenen „Stadtwerke“

Also entschied man sich dazu, zusammen mit der Energiequelle GmbH die Feldheim GmbH & Co. KG zu gründen. Dabei handelt es sich um eine Art Mini-Stadtwerk, welches fortan die Energieversorgung der 37 Haushalte im Ort sicherstellen sollte. Zur Finanzierung des Unterfangens zahlte jeder Haushalt 3.000 Euro in die Kommanditgesellschaft und wurde somit auch Teilhaber. Die Kosten des Stromnetzes – rund 450.000 Euro – wurden überwiegend von der Energiequelle GmbH getragen. Um das Darlehen zu tilgen, zahlen die Feldheimer eine Umlage auf ihren Strom. Das Bemerkenswerte daran: trotz dieser Umlage zahlen die Bürger dort deutlich weniger für ihren Strom als anderswo. In konkreten Zahlen ausgedrückt: In Feldheim bezahlt man pro Kilowattstunde nur noch 16,6 Cent. Bei einem großen Stromanbieter wären es 28 Cent.

Damit nicht genug, können die Strompreise noch einmal signifikant fallen, wenn sich das Stromnetz amortisiert hat und die oben genannte Umlage wegfällt. Auch Wärmeenergie gibt es in Feldheim deutlich günstiger, denn hier wird zum heizen Biogas statt Öl genutzt. Hinzu kommt noch, dass vor Ort gleich 50 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Das bleibt natürlich nicht unbeachtet, weswegen jedes Jahr 3.000 Gäste aus aller Welt nach Feldheim reisen, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen. Hierzu wurde sogar ein eigenes Informationszentrum errichtet.

Haltung der Energiekonzerne eher skeptisch

Energiekonzerne sehen solche Entwicklungen wie in Feldheim weniger gerne, schließlich gehen ihnen dadurch Geschäftsfelder verloren. Wenn immer mehr Gemeinden sich mittels Strom über eigene Netze selber versorgen, dann verdienen die Konzerne auch immer weniger am Stromtransport. Im Laufe der Zeit blieben dann auch Kraftwerkskapazitäten ungenutzt, was wiederum zu Stilllegungen führen kann. Auch die Umweltorganisation Robin Wood bestätigt, dass sich das Marktvolumen der großen Energieversorger deutlich reduzieren würde, kämen noch mehr Gemeinden auf die Idee, die Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen.

Nichtsdestotrotz kann Feldheim durchaus als Vorbild für andere Städte und Gemeinden dienen, denn hier wurde die Energiewende bereits vollumfänglich durchgeführt.

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