Billiger Strom und hohe Wechselprämien – wie geht das?

Einen Blick in gängige Vergleichsportale zeigt: Manche Strompreise sind fast zu schön, um wahr zu sein. Doch wer an der Preisschraube dreht, zieht Kunden an. Und so werben viele Stromanbieter mit großzügigen Wechselprämien, hinter denen sich in Wahrheit oft nachteilige Konditionen verbergen.

Lesen Sie hier, welche Fallen bei Tarifen mit Wechselprämien lauern können und worauf Sie beim Stromvergleich auf Vergleichsportalen wirklich achten sollten.

Inhalt

1. Vergleichsportale und die große Rabattschlacht
2. Diese „Geschenke“ werden Neukunden im ersten Jahr gerne versprochen
3. Wenn die Wechselprämie zur Kostenfalle wird
4. Worauf Sie beim Stromvergleich achten sollten
5. So profitieren Sie von einem Stromvergleich

Vergleichsportale und die große Rabattschlacht

Wechselprämien und Rabatte sind eine
beliebte Strategie bei Energieanbietern
Foto: © krzysztof-m / pixabay.com

Seit der Liberalisierung des Strommarktes vor rund 20 Jahren haben Endverbraucher das Recht, ihren Stromversorger frei zu wählen. Der Markt ist heiß umkämpft, deutschlandweit stehen mittlerweile mehr als 10.000 verschiedene Tarife zur Auswahl. Immer mehr Stromkunden nutzen gängige Online-Vergleichsportale, um mit geringem Aufwand den günstigsten Tarif zu finden. Stromanbieter unternehmen daher viel, um auf den vordersten Plätzen der Vergleichsportale zu landen. Eine beliebte Strategie sind Wechselprämien und andere Boni, die Neukunden im ersten Jahr gewährt werden. Die Vergleichsportale rechnen diese einmaligen Rabatte mit ein, wodurch der Tarif im ersten Jahr deutlich günstiger wird.

Diese „Geschenke“ werden Neukunden im ersten Jahr gerne versprochen:

1. Wechselprämien (Neukundenbonus)

Dabei handelt es sich um einen einmaligen Rabatt, der dem wechselwilligen Kunden in der Regel bei der ersten Jahresabrechnung gutgeschrieben wird. Die Wechselprämie kann an bestimmte Bedingungen (z.B. einen Mindestverbrauch) geknüpft sein. Vorsicht: Wer bereits vor Ablauf des ersten Jahres kündigt, verliert häufig den Bonus!

2. Sofortbonus

Geld als Sofortbonus
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Ein Sofortbonus wird dem Kunden bereits innerhalb der ersten Wochen gutgeschrieben oder direkt ausbezahlt. In der Regel ist er an keine weiteren Bedingungen geknüpft und bleibt auch bei einem Stromwechsel erhalten.

3. Sachprämien

Elektrogeräte sind beliebte Sachprämien
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Ob Smartphone, Tablet, Zeitschriften- oder TV-Abo: Manche Stromanbieter schütten anstelle von Rabatten Sachprämien aus. Auch diese Prämien können an Bedingungen wie einen Mindestverbrauch geknüpft sein. Abo-Verträge müssen häufig aktiv gekündigt werden, sonst fallen später Kosten an.

Wenn die Wechselprämie zur Kostenfalle wird

Doch von allen diesen Prämien profitieren Stromkunden in der Regel nur im ersten Jahr. Auf lange Sicht wären die Dumping-Preise für den Stromanbieter nicht wirtschaftlich. Und deshalb holt er sich die vermeintliche Ersparnis später wieder zurück. Ab dem zweiten Jahr kommt nicht selten das böse Erwachen: Der Strompreis erhöht sich empfindlich, oft um bis zu 30 Prozent (laut der Beratungsfirma Lead & Sale GmbH) . Teils zahlen Kunden mehr als bei ihrem alten Anbieter! Um dauerhaft zu sparen, müsste der Verbraucher daher jährlich seinen Stromanbieter wechseln. Doch wer die Kündigungsfrist übersieht, hängt ein weiteres Jahr in dem plötzlich teuren Vertrag fest.

Manchmal ist es sogar unmöglich, nach dem ersten Jahr zu wechseln ohne den Bonus zu verlieren. Denn Vertragslaufzeit und Lieferzeit müssen nicht automatisch übereinstimmen: Oft werden Sie erst einige Wochen nach Unterzeichnung des Vertrags erstmals vom neuen Stromanbieter beliefert. Falls Sie nicht bis zum Ende der juristischen Vertragslaufzeit kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch. Die Wechselprämie erhalten Sie bei einigen Anbietern aber erst nach Ablauf des ersten Lieferjahres, nicht bereits zum Ende der Vertragslaufzeit! Kündigen Sie somit zum Ende des ersten Vertragsjahres und sind zu diesem Zeitpunkt noch kein volles Jahr beliefert worden, dann verlieren Sie Ihren Anspruch auf die Wechselprämie.

Worauf Sie beim Stromvergleich achten sollten

Unsere Checkliste für Ihren Stromvergleich
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Um solche bösen Überraschungen zu vermeiden, ist es wichtig sich nicht von Billig-Angeboten auf Vergleichsportalen blenden zu lassen.

Prüfen Sie beim Stromvergleich immer die folgenden Punkte:

❏  Bedingungen für die Wechselprämie

Manchmal erhalten Sie die Wechselprämie nur unter der Voraussetzung, dass Sie im ersten Jahr eine bestimmte Anzahl an kWh Strom verbrauchen. Einige Anbieter machen die genaue Höhe der Prämie von Ihrem Verbrauch abhängig. Werfen Sie daher unbedingt einen Blick in das „Kleingedruckte“ und achten Sie auf die genauen Bedingungen!

❏  Folge-Vertragslaufzeit

Falls Sie nicht kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch – oft um ein weiteres Jahr. Verbraucherfreundlicher sind Tarife, die Sie monatlich kündigen können.

❏  Verbrauchspreis ohne Prämie

Überprüfen Sie, wie hoch der Verbrauchspreis in den Folgejahren – ohne die Wechselprämie – ist. Wenn Sie nicht jährlich wechseln wollen, sollten Sie sich für einen dauerhaft günstigen Anbieter entscheiden.

❏  Kündigungsfrist

Die Kündigungsfrist kann bis zu 3 Monate betragen. Wenn Ihr Vertrag mit Ende Dezember endet, müssen Sie somit bis spätestens Ende September kündigen.

❏  Mindestvertragslaufzeit

Die Mindestvertragslaufzeit gibt an, wann Sie frühestens kündigen können. Bei den meisten Anbietern beträgt sie 12 oder 24 Monate. Tarife mit längerer Laufzeit sind tendenziell günstiger, bei einer kurzen Laufzeit bleiben Sie dagegen flexibler.

❏ Preisgarantie

Manche Anbieter versprechen Ihnen, innerhalb einer bestimmten Zeitdauer den Verbrauchspreis nicht anzuheben. Bei einer Preiserhöhung haben Sie aber ohnehin ein Sonderkündigungsrecht!

So profitieren Sie von einem Stromvergleich

Wenn Sie dauerhaft Stromkosten sparen wollen, ist es wichtig das Vergleichsportal geschickt zu nutzen. Falls Sie nicht jährlich Ihren Anbieter wechseln wollen, können Sie beispielsweise in den Filter-Einstellungen Tarife mit Wechselprämie ausschließen. So erkennen Sie sofort, bei welchem Anbieter Sie dauerhaft günstige Preise erhalten. Falls Sie sich für einen Tarif mit Wechselprämie entscheiden, dann beachten Sie unbedingt die genauen Vertragsklauseln!

Achten Sie auch darauf, in den Sucheinstellungen des Vergleichsportals einen realistischen Jahresverbrauch anzugeben. Denn der Strompreis setzt sich in der Regel aus einem Grundpreis und einem verbrauchsabhängigen Anteil (auch Arbeitspreis genannt) zusammen. Haben Sie einen eher höheren Stromverbrauch, dann profitieren Sie von einem niedrigen Arbeitspreis. Umgekehrt sind Tarife mit niedrigem Grundpreis meist günstiger, wenn Sie nur wenig Strom verbrauchen.

Prüfen Sie neben dem Preis auch weitere Details: Gibt es eine Preisgarantie? Bietet der Stromlieferant auch Ökostrom-Tarife an? Bei guten Vergleichsportalen können Sie diese und weitere Kriterien in den Filter-Einstellungen festlegen und so etwa gezielt nach dem günstigsten Ökostrom-Tarif suchen.

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