Engpassmanagement: Deutschland und Österreich schränken Stromhandel ein

Engpassmanagement: Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich

Engpassmanagement: Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich
Foto © Kurt Michel / pixelio.de

Die Stromflüsse zwischen Deutschland und Österreich sollen künftig gebremst werden: Im Juli diesen Jahres haben sich die Regulierungsbehörden beider Länder auf die Einführung eines Engpassmanagements für den gemeinsamen Stromhandel geeinigt. Während deutsche Stromkunden aufatmen dürfen, könnte Strom in Österreich empfindlich teurer werden.

Stromhandel führt zu Netzengpässen

Derzeit gehören Deutschland und Österreich einer gemeinsamen Strompreiszone an. Beide Länder können Strom unbegrenzt an den Strombörsen handeln, was einen einheitlichen Strompreis bedingt. Doch der uneingeschränkte Stromaustausch hat auch seine Schattenseiten: Mitunter wird an den Börsen mehr Strom verkauft, als rein physikalisch durch die Leitungen transportiert werden kann.

Dieser virtuelle Stromhandel hat in der Vergangenheit immer wieder netzstabilisierende Eingriffe, sogenannte Redispatch-Maßnahmen, erforderlich gemacht. Um deutsche Stromnetze zu entlasten, müssen beispielsweise österreichische Ersatzkraftwerke hochgefahren werden. Zu manchen Zeiten nimmt der Strom auch Umwege über Tschechien oder Polen. Die Kosten dafür tragen zu einem nicht unerheblichen Teil deutsche Stromkunden.

Engpassmanagement schränkt nur Handelsspitzen ein

Im Oktober 2016 ist daher die Bundesnetzagentur aktiv geworden und hat die Übertragungsnetzbetreiber angewiesen, Maßnahmen zur Einschränkung des Stromaustauschs an der deutsch-österreichischen Grenze vorzubereiten. Darüber hinaus wurde intensiv mit der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control verhandelt.

Im Juli dieses Jahres haben sich die Verhandlungspartner geeinigt: Der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich soll sich ab Oktober 2018 an den tatsächlichen Netzkapazitäten orientieren. Den Marktteilnehmern wird auch weiterhin eine Handelskapazität von 4,9 Gigawatt zugesichert. Die österreichischen Übertragungsnetzbetreiber verpflichten sich im Gegenzug, deutschen Netzbetreibern eine Mindestmenge an gesicherter Kraftwerksleistung als Reservekapazität zur Verfügung zu stellen.

Diese Vereinbarungen sollen sicherstellen, dass der bilaterale Stromhandel auch weiterhin floriert – lediglich Handelsspitzen werden begrenzt. Schätzungen zufolge wird die neue Regelung zum Engpassmanagement nur wenige Stunden pro Jahr greifen. Doch genau diese Stunden kommen deutschen Haushalten teuer zu stehen.

Stromkunden in Deutschland werden entlastet

Beispielsweise hat die Bundesnetzagentur für den kommenden Winter – in dem das Engpassmanagement noch nicht greift – 10.400 Megawatt aus österreichischen Reservekraftwerken unter Vertrag genommen. Ab dem Winter 2018/19 werden es nur noch 3.700 Megawatt sein. Insgesamt erhofft sich die Bundesnetzagentur von dem neuen Engpassmanagement eine deutliche Entlastung bei den netzstabilisierenden Eingriffen, was natürlich auch eine entsprechende Kostensenkung zur Folge hat. Nach Branchenschätzungen bringt die Deckelung der Stromflüsse eine Ersparnis von mehreren 100 Millionen Euro pro Jahr.

In Österreich hingegen könnte Strom künftig teurer werden. Von dem bilateralen Stromhandel hat insbesondere die österreichische Industrie stark profitiert, denn Unternehmen konnten Strom an den deutschen Strombörsen wesentlich günstiger als im Inland zukaufen. Um wie viel der Strompreis in Österreich steigen wird, ist allerdings noch völlig offen.

Herausforderung Energiewende

Eine Alternative zum Engpassmanagement wäre ein Ausbau der Übertragungsnetze, um die Aufnahmekapazitäten in Deutschland zu erhöhen. Ohnehin stehen Maßnahmen zum Netzausbau ganz oben auf der energiepolitischen Agenda, da die zunehmende Einspeisung von Ökostrom nach leistungsfähigeren Übertragungsnetzen verlangt. Sind Einschränken des bilateralen Stromhandels zwischen Deutschland und Österreich daher langfristig gar nicht nötig? Experten zufolge würde selbst der in den kommenden Jahren geplante Netzausbau nicht ausreichen, um die Handelsspitzen an den Börsen abzudecken. Die Engpassbewirtschaftung ist daher eine sinnvolle Maßnahme, um finanzielle Mehrbelastungen für deutsche Stromkunden zu begrenzen, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden.

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