Überproduktion von Strom: Was passiert, wenn zu viel Strom produziert wird?

Was passiert, wenn zu viel Strom produziert wird?

Was passiert, wenn zu viel Strom produziert wird?
Foto © RainerSturm /pixelio.de

Es könnte eine Erfolgsstory sein: Am 8. Mai 2016 wurden erstmals ganze 87,6 Prozent des deutschen Strombedarfs durch erneuerbare Energieträger gedeckt. Auch im Jahresschnitt sind Wind und Photovoltaik-Anlagen so effektiv, dass Deutschland nicht nur genug, sondern bisweilen mehr als genug Strom hat. Doch die Überproduktion zeigt auch unerwünschte Nebenwirkungen. Vor allem wird Strom für den Verbraucher trotz sinkender Börsenpreise nicht billiger.

Wie kommt es zur Überproduktion?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert Betreibern von Wind-, Solar- oder Biomasse-Kraftwerken, dass sie den von ihnen produzierten Ökostrom jederzeit zu einem fixen Vergütungssatz einspeisen können. Ist das nicht möglich, etwa weil das Stromnetz überlastet ist, dann werden Entschädigungszahlungen fällig. Umgekehrt sind Netzbetreiber verpflichtet, Ökostrom gegenüber „konventionellem“ Strom bevorzugt abzunehmen und Überschüsse an der Börse zu verkaufen. Auf diese Weise entsteht eine Stromschwemme, sobald es viel Wind und viel Sonne gibt.

Erneuerbare verdrängen Gaskraftwerke

Durch das erhöhte Angebot werden Gaskraftwerke zunehmend vom Markt verdrängt. Sie sind neben den subventionierten Ökostrom-Kraftwerken nicht mehr rentabel. Dabei kommt Gaskraftwerken im Rahmen der Energiewende eine nicht unwichtige Rolle zu: Sie sollen die Versorgung sichern, wenn der Wind gerade Pause macht oder die Sonne nicht scheint. Im Unterschied zu Kohle- und Atomkraftwerken können Gaskraftwerke relativ spontan ein- und ausgeschaltet werden, und sie sind vergleichsweise sauber.

Strom-Überproduktion führt zu Negativpreisen

Natürlich drückt das erhöhte Stromangebot auch die Preise. Immer häufiger liegt der an der Strombörse erzielte Preis unter den eigentlichen Produktionskosten konventioneller Kraftwerke. Auch die Zahl der Stunden, an denen Strom zu Negativpreisen verkauft wird, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen: Wer Strom verkaufen will, muss den Abnehmern in diesem Fall noch Geld bezahlen.

Dass der Strompreis ins Negative driften kann, liegt daran, dass sich Strom nicht wie andere Güter lagern oder vernichten lässt. Die Speicher- oder Umwandlungsmöglichkeiten sind derzeit noch sehr begrenzt. Andererseits darf das Stromnetz nicht überlastet werden, da sonst Ausfälle drohen. Die Lösung ist meist, Überschüsse an die Nachbarländer zu verkaufen oder zu verschenken.

Nachbarländer profitieren

Auf diese Weise subventioniert Deutschland die niedrigeren Strompreise seiner Nachbarländer. Ein dankbarer Abnehmer ist beispielsweise Österreich. Die Alpenrepublik verfügt aufgrund ihrer geografischen Voraussetzungen über etliche Pumpspeicherkraftwerke und kann dadurch überschüssigen Strom gut aufnehmen: Mithilfe elektrischer Energie wird Wasser in höher gelegene Stauseen gepumpt, die als „Stromspeicher“ dienen. Sobald man Strom benötigt, wird das Wasser über stromerzeugende Turbinen abgeleitet.

Nicht selten kommt es vor, dass Deutschland seine Stromüberschüsse tagsüber zu Niedrigpreisen verkaufen muss, um sie nachts oder bei Windstille teuer zurückzukaufen.

Strompreis für den Verbraucher unvermindert hoch

Warum aber kommen die Niedrigpreise nicht beim Stromkunden an? Das liegt daran, dass der Verbraucher über die sogenannte EEG-Umlage die fixen Einspeisevergütungen für Erneuerbare mitfinanziert. Die Differenz zwischen den Vergütungen, die die Netzbetreiber zahlen müssen, und den Einnahmen, die sie mit dem Verkauf des Stroms erzielen, bildet die Grundlage für die Berechnung der EEG-Umlage.

Einfacher ausgedrückt: Ist der Strompreis an der Börse niedrig, dann bezahlen die Verbraucher mehr.

Eine Lösung wäre die, den überschüssigen Strom zu speichern, anstatt ihn zu Billigstpreisen zu verkaufen. Doch im großen Stil ist das derzeit noch nicht möglich.

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